Der 2- Jahres - Check
Alle 2 Jahre muss ein Gleitschirm auf seine Lufttauglichkeit überprüft werden. Dies geschieht in einem anerkannten luftfahrttechnischen Betrieb mit Hilfe augeklügelter Technik. 

Doch was passiert genau bei einem solchen Check ?


1. Checkpunkt: Luftdurchlässigkeit

Die weitgehende Luftundurchlässigkeit des Gleitsegeltuches wird durch eine Beschichtung gewährleistet. Diese Beschichtung ist eine hauchdünne Folie, die auf das sonst luftdurchlässige Nylon oder Polyestertuch vor der Vernähung aufgebracht wird.

Im Laufe der Zeit wird die Beschichtung durch Sonneneinstrahlung und mechanische Beanspruchung des Gleitsegels schlechter, und die aerodynamischen Eigenschaften des Gleitschirmes verändern sich, werden irgendwann kritisch.

Anzeichen schlechter Beschichtung:

Das Gleitsegel lässt sich schwer starten und "hängt hinten". Das Tuch wird bei Feuchtigkeit schnell nass, die Beschichtung ist wenig feuchtigkeitsabweisend, und die Leistung des Schirmes wird spürbar schlechter. Der Schirm verbleibt nach einem B-Leinen-Stall länger im Sackflug. Gerät die Kappe im Normalflug ohne Windeinwirkung in einen Sackflug, kann das auf eine Schwächung der vorhandenen Beschichtung hinweisen.

Die Überprüfung:

An insgesamt 8 ausgewählten Stellen des Ober- und Untersegels wird die Luftdurchlässigkeit des Tuches mit einem speziellen Gerät gemessen. Nähern sich die dabei ermittelten Werte dem Grenzwert erfolgt eine entsprechende Information unter "Bemerkungen" im Protokoll. Liegen die Werte unterhalb des vom Hersteller angegebenen Grenzwertes erfolgt keine weitere Zulassung des Gleitschirmes. 


2. Checkpunkt: Leinenfestigkeit

Jedes Gleitsegelmuster ist auf 8G Bruchlast vom DHV bei seiner Zulassung getestet worden. Dies bedeutet, dass bei einem maximalen Startgewicht von 100kg z.B. das Gleitsegel einer Belastung von 800kg ausgesetzt wurde.

Fangleinen haben beim Neuschirm ihre höchste Festigkeit.

Im normalen Flugbetrieb, insbesondere aber bei Feuchtigkeit, mechanischer Überbeanspruchung im Flugbetrieb, nach einem Hängenbleiben der Leinen beim Aufziehen des Gleitsegels hinter Wurzeln, Steinen oder Schutzmatten oder bei Baumlandungen büßen die Leinen nach und nach ihre Ausgangsfestigkeit ein.

Die Überprüfung:

Es werden je eine hochbelastete, innere A- und B-Stammleine aus dem zu prüfenden Gleitschirm ausgebaut, vermessen und mit einer pneumatischen Zugvorrichtung bis zum Zerreißen belastet.

Der so ermittelte Bruchlastwert der einzelnen Leine ,angegeben in Deka-Newton (daN), muss höher liegen als die vom DHV verlangte 8G-Höchstbelastung, aufgeteilt nur auf die A- und B-Stammleinen des zu testenden Schirmes! Die Bruchlastwerte der Nova-Beleinung liegen, vom Hersteller gefordert, sogar noch höher. Diese Leinen halten!

Liegen die gemessenen Werte deutlich über dem Grenzwert, besteht der Schirm diesen Checkpunkt. Liegen die Werte in der Nähe des Grenzwertes, aber noch darüber, empfehlen wir eine weitere Überprüfung nach einem Jahr. Liegen die Bruchlastwerte unter dem Grenzwert, werden weitere Leinen geprüft. Gegebenenfalls muss ein neuer Stammleinensatz in den Schirm eingebaut werden.

Alle zerrissenen Leinen werden ersetzt.

132,7 Deka-Newton Bruchlast für eine B-Leine, die A-Leine war ähnlich .......... "ok" !


3. Checkpunkt: Leinenlängen

Die Leinenlängen eines Gleitsegels (Trimmung) bestimmen das aerodynamische Flugverhalten des Schirmes.

Hängenbleiben einzelner Leinen beim Aufziehen des Schirmes oder Baumlandungen können, von außen nicht unbedingt erkennbar, zur Schädigung des Leinenkernes führen. Die Leine büßt ihre Festigkeit ein und überdehnt sich unzulässig bei Belastung.

Feuchtigkeit und große Trockenheit können Schrumpfungen der Leinen verursachen und so die Trimmung ebenfalls ungünstig beeinflussen.

Häufiges Schleppen an einer Winde birgt zudem die Gefahr einer dauerhaften Überdehnung der Fangleinen.

Die Überprüfung:

Mittels einer elektronischen Längenmessung wird jede einzelne Leine des Schirmes unter 5daN-Zug auf den Millimeter genau vermessen.

Abweichungen auf geringst mögliche Toleranz wird so erkannt. Auffällige Leinen werden ausgebaut und ersetzt. Feintrimmungen stellen sicher, dass der Schirm wieder optimal startet und fliegt.

Ein neues Diagnose-Verfahren ermöglicht bereits kleine Veränderungen abweichend von der optimalen zu erkennen und entsprechend zu korrigieren.
Dieses Verfahren wurde hier in der 1. DAeC Gleitschirm-Schule entwickelt und von der Firma Nova Österreich bzw. der Fa. Finsterwalder Deutschland übernommen. 

Ich möchte mehr dazu erfahren: 

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4. Checkpunkt: Sichtprüfung

Kleine Löcher und Risse entstehen selbst bei sorgfältigster Schirmbehandlung im normalen Flugbetrieb. Nähte an Kappe und Leinen können bei kurzfristiger hoher Belastung nachgeben und müssen repariert werden.

Die Überprüfung:

Das Gleitsegel wird gut sichtbar der Länge nach aufgehängt. Ober- und Untersegel werden nach Löchern und Rissen abgesucht. Sämtliche Nähte am Segel, Eintrittskante, Hinterkante, Zellwände... werden auf Beschädigungen untersucht.

Alle Vernähungen der Fangleinen und Steuerleinen werden gecheckt. Die Tragegurte, Leinenschlösser überprüft, sowie die Anbringung und die Angaben auf der DHV-Plakette und dem Typenschild.


Optional:

5. Checkpunkt: Reißfestigkeit des Segels

Segeltuch altert, und die Festigkeit gibt nach. Bei augenscheinlich stark gebrauchten Geräten wird die Qualität des Tuches mit einem Reißtest überprüft. Das Ergebnis dieses Bettsometer-Tests wird unter "Bemerkungen" vermerkt.

Die Überprüfung:

Das Segeltuch wird mit einem Bettsometer auf seine Festigkeit untersucht. Dazu wird eine Nadel mit 1,1mm Durchmesser ins Gewebe direkt an einem Ripp-Stopp Verstärkungsfaden eingestochen. Nun wird mit einer Federwaage geprüft, ob die erforderliche Mindest-Weiterreißfestigkeit des Tuches von 0,6 daN immer noch vorhanden ist.


Erst wenn alle 4 bzw. 5 Checkpunkte "ok" sind erhält der Schirm den 2-Jahres-Check Nachprüfstempel, er ist im augenblicklichen Zustand vom Checker als "lufttauglich" eingestuft worden. 

Doch Achtung!

Der 2-Jahres-Check ist eine Überprüfung des "IST"-Zustandes und bedeutet keine Garantie dafür, dass der Schirm, vor allem bei vielen Flügen, diesen Zustand wirklich auch 2 Jahre lang beibehalten wird. Falls Ihr viel fliegt, sich der Schirm irgendwie "auffällig" verhält, sich die Aufzieh-, Flug- oder gar "Extremflugeigenschaften" markant ändern............ zögert nicht, uns den Schirm vorbeizubringen. 

Die Leinenlängenüberprüfung wird sehr schnell Auskunft über evt. Trimmungsveränderungen geben.

Immer ein Schippchen Luft unter beiden Flügeln wünschen Euch 

Das 1. DAeC-Fluglehrer-Team

 

  Das Ende eines laaaaangen Tages...

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