Immer diese fröhlichen Bilder vom Gleitschirmfliegen... wo das wahre Abenteuer doch ganz woanders zu finden ist.

Es begann alles am Samstag mit einem frühen Start in die Flugreise. Mit dabei, ein nigelnagelneuer Sprinter mit gerade mal ein paar Kilometer auf'm Tacho. (ich hatte gleich ein mulmiges Gefühl,- sind noch neue Autos nicht so meins....... )
Aber die Fahrt mit dem neuen Gefährt erwies sich zunächst als gemütlich und komfortabel. Viele neue Knöpfe galt es auszuprobieren. Vor allem der Tempomat... beeindruckende Technik. Nach einigen Fahrstunden dann die Mautstelle am Karawankentunnel, kurz vor der slowenischen Grenze, - nur ca. 30m dahinter - ein kleiner Stau mit Stillstand...
... und dann, beim Wiederanlassen des Motors... diese gar grauseligen Geräusche, die ich letztmalig bei einem kapitalen Motorschaden meines VW-Käfers irgendwann vor 40 Jahren gehört hatte. Konnte das sein?

So sieht das aus, wenn Jäger ihre Beute "erlegt" haben. Noch herrschte gute Stimmung. Neuwagen - Mobilitätsgarantie .... allerdings.... Sonntag und Urlaubszeit!

Nach nur einer Stunde Wartezeit kam dann der Abschleppwagen...

...und hängte uns hinten dran

... durch eine Autobahn-Großbaustelle... der Weg wurde immer "komischer"...

Da sollten wir durch?

unser untreues Gefährt wurde zunächst einmal Huppekack genommen, aber der Fahrer musste schnell einsehen: Rien ne vas plus!

erst mal rückwärts zurück, - ein paar Zäune aus dem Weg geräumt und auf engstem Raum rückwärts einschwenken und wenden - so der Plan!

Es war alles in allem eine enge Kiste und wir hatten schon ein wenig Sorge, dass unser Wagen hinten einfach runterfällt und den Tag noch schlechter enden lässt, als er angefangen hatte. Aber unser Fahrer gab nicht auf und schaffte es.

und so lernten wir den Hinterhof der Abschleppfirma kennen. Ein Ort, an dem man nicht sein möchte. Zig Telefonate und kein Licht am Ende des Tunnels.
Sollten wir hier etwa auch noch übernachten??

Ende gut, alles gut...... jedenfalls vorerst. Dank unserer slowenischen Freunde konnten die tun, was sonst keiner konnte. Ein slowenischer 9-Sitzer war hier jedenfalls schnell organisiert und so machten sich Rolf und Kristijan auf die Rettungsmission: "Save our Kumpels" auf.

Wir ließen es uns in der Zwischenzeit jedenfalls gut gehen. Die Pizzeria war gottlob nur ca. 120m vom Hinterhof des Abschleppunternehmens entfernt und so bezogen wir erst einmal hier für eine lange Zeit Quartier. Rolf und Kristijan wurden Stunden später freudig begrüßt und wir erreichten Sinji Vrh um ca. 23.00 Uhr, nach 17 Std. Was für ein Tag (braucht man auch nicht jeden Tag).
Müde und ausgelaugt - ein paar "Rote" waren allerdings nötig - fielen wir in den Schlaf.


Nächster Tag: Nord-Ostwind! - (die "Alpenwanne", am Vortag mit kalter Luft aufgefüllt lief über die Borawindautobahn ab). Keine Chance am Kovk und am Lijak sah es auch nicht besser aus. Unser Tagesziel hieß logischerweise MEDUNO in Italien.

Super Flugbedingungen!

für die meisten Piloten der Gruppe das erste Mal hier.

der große Startplatz lässt kaum Wünsche offen

Es war zwar brechend voll, - ca. 50 Piloten in der Luft und ebensoviele am Startplatz, doch die Kante ist lang und die Thermik trug gut.

Trotz bester Bedingungen flogen wir hier nur einen Durchgang - irgendwie steckte allen der gestrige Tag noch in den Knochen. Trotzdem waren alle zufrieden, einmal hier geflogen  zu sein. Allerdings machte unser slowenisches Ersatzfahrzeug nun auch auf sich aufmerksam. Die Bremsen quitschten als wenn wir eine Eisenbahn wären. Doch wieder erwies sich der Service hier absolut vorbildlich. Am nächsten Morgen stand der 3. Wagen innerhalb 24 Std. (mit intakten Bremsen) vor der Tür.


Dienstag: Der Nordostwind blieb und wir beschlossen, nach Tolmin zum Kobala zu fahren . Nach einer ziemlich nervigen Fahrt zum Startplatz wurden wir allerdings mit schönem, leichtem Wind am Startplatz belohnt.

Der Startplatz-Grat lässt dabei das Starten in 2 gegensätzliche Richtungen zu. Geht's hier nicht -  geht's in die andere Richtung. Einfach nur den Schirm drehen!

Das Socatal - wirklich wunderschön hier! Obwohl die Auffahrt lang und "lästig" ist - to be continued!


Mittwoch war dann endlich Südwind an unserer Hauskante und wir konnten den ersten Flug vom Kovk fliegen.


Der Wind stand stramm und die ersten Startüberhöhungen konnten geflogen werden. Aber Lijak wartete und damit die erste Möglichkeit auf Strecke zu gehen.

Am Lijak ging's dann zunächst zäh, dann aber doch brauchbar auf Strecke. Der Streckenflug nach Ajdovscina gelang einigen aus der Gruppe und der Flug weiter gen Nanos wurde gewagt. Hier war allerdings Schluss. Trotzdem gelangen wirklich tolle Flüge.

Der Startplatz am Lijak ist inzwischen super gut und geräumig ausgebaut worden und lässt keine Wünsche mehr offen. Jeder findet einen Platz zum Aufbauen. Alle Achtung liebe Slowenen, hier habt Ihr in den letzten Jahren einen super Job gemacht!!

Abends gab es dann noch das legendäre "Senioren Soaren" an der Hauskante. Fliegen bis der Arzt kommt! - Die Kante trug super-ruhig bis ins 10km entfernte Predmeja - Rondell umrunden und wieder zurück (dauert ca. 40min). So lieben wir Slowenien. Ein toller Abendflug - so muss es sein. I just love it! (Danke Friedel, der auf diesen schönen Flug verzichtete - so kam ich dann auch mal in die Luft).

Fliegen at its best - kilometerlanges Kantenfliegen - absaufen unmöglich - Starker Wind am Startplatz, aber butterweiche Flugbedingungen!

Fliegen im "U" hinter Mikels Hill

Leider war's dann auch schon. Die beiden letzten Tagen waren Urlaubstage. Während eine Gruppe die Kantenwanderung von Kovk bis Sinji Vrh machte - ein Teil der Gruppe sogar bis Predmeja! - fuhr ich wieder mal in die Scotjan-Höhlen. Immer wieder einen Besuch wert:

von außen ein großes Loch

superschöne, aber kleine Tropfsteinhöhlen gefolgt von einer Wanderung entlang der Felswände im Inneren der Höhle

wegen Corona war der Fahrstuhl aufwärts hinter den Höhlen gesperrt,- so "mussten" wir einen Teil der sonst extra kostenden Tour 2 durchwandern

Am Samstag war dann Abreisetag.

Weder die "Mobilitätsgarantie" unseres havarierten Autos noch die Autovermietung(en), national und international hatten uns ein Ersatzfahrzeug bringen können (kam mir irgendwie bekannt vor... ). So fuhr "meine" Gruppe ein slowenischer Mietwagen mit Fahrer nach Hause (incl. wohl doch nerviger slowenischer Volksmusik-Untermalung) während Kristijan mich nach Ljubljana zum Bahnhof brachte und ich dann mit dem Zug nach Hause fuhr.

Der Service in Slowenien ist halt doch ein anderer - da können sich die "stets bemühten" Damen und Herren der Mobilitätsgarantie eines der bedeutendsten Deutschen Autobauer ne dicke Scheibe von abschneiden. Hier war man eher bestrebt mir von Anfang an klar zu machen, wie viel Ersatzleistung ich erwarten dürfte.... Nun .... erwartet hatte ich tatsächlich nichts - und genau das bekam ich dann auch. Sorry Leute, ein Armutszeugnis für das Unternehmen! (dafür gibt's wirklich nur einen Stern!)

Unterm Strich lobenswert war dann doch die Füssener Autovermietung, die letztlich zumindest dafür sorgte, dass die entstandenen Kosten umgehend und unproblematisch ersetzt wurden.

Alles in allem war's eine unterhaltsame Reise, oder? Sie wird jedenfalls in Erinnerung bleiben.

Zu erwähnen wäre noch die Rückgabe unseres dritten Fahrzeugs. Bei der Abgabe stellt Kristijan fest, dass die Schiebetür wohl nicht richtig zu war. Kurzentschlossen öffnete er sie und ....... beim erneuten Schließversuch klirrte die hintere Seitenscheibe in 1001 Stücke. Ein würdiges Ende unserer Autoabenteuer.

Hat Spaß gemacht - und war super anstrengend!

Ralf

2 Kommentare

  • Schäfchen,

    Schöner und sehr treffender Bericht!
    Die Reise hat mal wieder viel Spaß gemacht.

    LG, Schäfchen

  • Christian Dahm,

    Slowenien ist immer eine Reise wert!

    Auch wenn diesmal die Anreise etwas abenteuerlich wurde, hat sich der Aufwand doch gelohnt. Eine schöne Flugreise mit einem Abstecher nach Meduno und nach Tolmin, Fliegen am Lijak, sowie natürlich das entspannte Soaren an der Hauskante als Highlight.

    Vielen Dank an Ralf für die ganze Organisation, zum Glück kann man sich auf die Slowenen verlassen!

    Bin nächstes Jahr wieder dabei…

    Viele Grüße von Christian

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